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Den inhaltlichen Auftakt bildete die Keynote von Nadine Pieck (Leibniz Universität Hannover). Sie beschrieb Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) nicht als starres Instrument, sondern als kontinuierlichen Lern- und Gestaltungsprozess. Gesundheit am Arbeitsplatz entstehe dort, wo Strukturen reflektiert, Beteiligung ermöglicht und unterschiedliche Lebensrealitäten ernst genommen werden.
In der Diskussion wurde deutlich, dass individuelle Belastungen z.B. durch familiäre Verpflichtungen nicht mit pauschalen Ratschlägen beantwortet werden können. Organisationen sind gefordert, strukturelle Entlastungen zu prüfen und gleichzeitig Verständnis für unterschiedliche Lebenslagen aufzubringen. Besonders betont wurde, dass in Einfacharbeit nicht das Individuum „optimiert“, sondern die Arbeitssituation analysiert und verändert werden sollte.
In einem moderierten Gespräch berichteten Vertreter:innen aus Logistik, Pflege, Krankenkassen und Gesundheitsförderung von ihren Erfahrungen. Ein zentrales Ergebnis:
Gesundheitsmaßnahmen werden deutlich besser angenommen, wenn sie innerhalb der Arbeitszeit stattfinden und von der Unternehmensleitung aktiv unterstützt werden. Führungskräfte fungieren dabei als zentrale „Gatekeeper“, dass bedeutet sie können Gesundheitsförderung ermöglichen, aber auch verhindern.
Auch die Bedeutung von Pausen wurde hervorgehoben: Pausen haben nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine räumliche Dimension. Rückzugsorte und ansprechend gestaltete Pausenräume sind wichtig für die psychische Gesundheit. Für kleinere Betriebe wurden Netzwerke, gemeinsame Ressourcen und Unterstützungsangebote durch zum Beispiel Krankenkassen als praktikable Wege benannt.
Nach dem Mittagessen folgten zwei thematische Inputs, die auf die anschließenden Workshops vorbereiten sollten. Zu erst wurde die psychische Gesundheit in der Einfacharbeit am Beispiel Pflege beleuchtet. Anschließend wurden die technischen Unterstützungsansätze in der Logistik vorgestellt. Am Beispiel von Exoskeletten wurden Chancen und Grenzen dieser Technologie diskutiert. Exoskelette können körperlich entlasten, sind jedoch kein Selbstläufer: Arbeitsprozesse müssen angepasst, Tragezeiten reflektiert und individuelle Erfahrungen ernst genommen werden.
Nach den kurzen Inputs startete die erste Workshop-Phase:
Workshop 1: Technik trifft Pflege: Wie können Exoskelette in der Pflege helfen und was lässt sich aus der Logistik lernen? (Birte Pupkes & Lars Panter (BIBA))
Workshop 2: Was lernt die Logistik aus der Pflege zum Thema psychische Gesundheitsförderung (Jasmin Funke & Guido Becke (iaw))
Der zweite Tag stand im Zeichen der Reintegration von Beschäftigten in Einfacharbeit nach längerer Erkrankung. In ihrer Keynote zeigte Regina Laudel (Institut für Arbeitsfähigkeit GmbH), dass Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) ein wirksames Instrument sein kann. In der Praxis scheitert es jedoch häufig an mangelnder Umsetzung.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien grundsätzlich vorhanden, würden aber oft nicht konsequent genutzt. BEM werde vielerorts als „zahnloser Tiger“ wahrgenommen. Umso wichtiger seien gesundheitsorientierte Führung, Prävention und die Verknüpfung von BEM mit Gefährdungsbeurteilungen. Vorgestellt wurde unter anderem der Work Ability Index als Gesprächs- und Reflexionsinstrument, um Arbeitsfähigkeit sichtbar und veränderbar zu machen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, wie komplex Reintegration in Einfacharbeit ist. Unterschiedliche Interessen, fragmentierte Zuständigkeiten und bürokratische Hürden erschweren häufig den Prozess. Gleichzeitig gibt es viele engagierte Akteur:innen und funktionierende Ansätze.
Diskutiert wurden unter anderem:
die Rolle von Integrationsfachdiensten und einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber,
Herausforderungen bei kleinen Betrieben ohne etablierte BEM-Strukturen,
die Bedeutung von Netzwerken zwischen Rentenversicherung, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Beratungsstellen.
Besonders betont wurde, dass Menschen in Einfacharbeit oft skeptisch gegenüber BEM sind aufgrund von Stigmatisierung und Unsicherheiten. Vertrauen, transparente Kommunikation und persönliche Ansprechpersonen sind daher zentrale Voraussetzungen für gelingende Reintegration.
In den Workshops des zweiten Tages ging es unter anderem um Peer-Unterstützung bei psychischer Gesundheit sowie um gesundes Wiedereinsteigen in Arbeit durch Kooperation und Vernetzung. Deutlich wurde, dass Gesundheit nicht allein im Betrieb entsteht, sondern im Zusammenspiel von Arbeit, Sozialraum und individuellen Lebenslagen.
Niedrigschwellige Angebote im Quartier, aufsuchende Beratung und gut vernetzte Akteur:innen können entscheidend dazu beitragen, Menschen zu erreichen – insbesondere jene, die durch klassische betriebliche Angebote kaum angesprochen werden. Vertrauen, Sichtbarkeit und Zeit wurden immer wieder als zentrale Erfolgsfaktoren genannt.
Die Jahrestagung von ressource zeigte eindrücklich: Gesundheit in Einfacharbeit braucht Haltung, Zeit und Zusammenarbeit. Sie lässt sich nicht verordnen, sondern muss gemeinsam gestaltet werden.
Die Tagung bot dafür einen wichtigen Raum: zum Austausch, zur Vernetzung und zum gemeinsamen Lernen. Oder, wie es Teilnehmende zum Abschluss formulierten: ein Ort des Empowerments und ein Anstoß, Gesundheit künftig von Anfang an mitzudenken.
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Letzte Aktualisierung: 6 Januar 2026
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